• Rene Bickmann

Absicht oder Zufall: 6 Wege zu nachhaltigen Innovationen

Es gibt keine Blaupausen für innovative Produkte – und erst recht nicht für nachhaltige Innovationen. Vieles passiert in Unternehmen eher aus der jeweiligen Situation und durch Entscheidungen aus dem Bauchgefühl heraus. Die gute Nachricht: Es gibt typische Muster, wie es Unternehmen gelingt, nachhaltige Innovationen erfolgreich auf den Markt zu bringen. Erkennen Sie diese, können Sie die jeweils passenden Instrumente einsetzen.


Nachhaltige Innovationen können aktiv gesteuert werden. Sehen wir uns die typischen Ausgangssituationen für Unternehmen einmal an.


  1. Nachhaltigkeit als ausformuliertes Ziel im Innovationsprozess

  2. Innovation als Umsetzung nachhaltiger Unternehmensziele

  3. Nachhaltigkeit als „zufällige Entdeckung“ im laufenden Innovationsprozess

  4. Nachhaltigkeit als Korrektiv von außen

  5. Nachträgliche Zuschreibung von Nachhaltigkeit zu einer Innovation

  6. Nachhaltigkeit als „unsichtbare Hand“ im Innovationsprozess

Zusammenfassung



1. Nachhaltigkeit als ausformuliertes Ziel im Innovationsprozess


Die Ideallinie unter den Wegen zu nachhaltigen Innovationen. Im Vorfeld wird bereits klar ausformuliert, welche Nachhaltigkeitsaspekte das Unternehmen im Innovationsprozess berücksichtigen will. Die Bedarfe der jeweiligen Zielgruppen sind bekannt und die vorhandenen Missstände ausformuliert. Der Weg liegt klar vor uns: Ein Mietwohnungsmodell für Obdachlose? Nutzung von grünem Wasserstoff? Solidarische Landwirtschaft? Jetzt kann der Innovationsprozess angestoßen und ein Business Case oder ein entsprechendes Geschäftsmodell entworfen werden. Anhand der Ziele werden die verschiedenen Optionen bewertet und Entscheidungen getroffen. Der Rest ist „nur noch“ Projektmanagement, Markteinführung und Controlling.


Sie stehen vor einer solchen Situation? Super, gemeinsam mit uns geht es nun ganz nach Lehrbuch. Wir erstellen gemeinsam den Innovationsprozess, formulieren „SMARTe“ Ziele nach Ihrer Innovationsstrategie, etablieren Messinstrumente für wirtschaftliche und nachhaltige Kriterien, finden die richtigen Partner und setzen das Projekt erfolgreich um.



2. Innovation als Umsetzung nachhaltiger Unternehmensziele


Der zweite Fall gleicht dem ersten, nur dass bereits der ursprüngliche Unternehmenszweck nach ökologischen oder sozialen Aspekten gebildet wurde. Das Unternehmen hat ein klares nachhaltiges Ziel, welches es mit den Mittel der Wirtschaft erreichen möchte. Nachhaltigkeit ist hier klarer Bestandteil der Unternehmenspolitik. Für den Innovationsprozess hat dies den Vorteil, dass oft bereits entsprechende Messinstrumente zur Einhaltung der Vorgaben zur Nachhaltigkeit etabliert sind.


Trifft dieser Fall bei Ihnen zu, können wir uns im Beratungsprojekt ganz auf die Methoden des Innovationsmanagements konzentrieren. Mit Ihrem Gesamtportfolio im Blick analysieren wir zukünftige Bedarfe Ihrer Zielgruppen, fördern in Workshops die Kreativität Ihrer Mitarbeitenden und schöpfen so Ideen für neue Lösungen. Es folgen die Bewertung der Ideen, Konzepte und Pläne sowie die gemeinsame Projektumsetzung.



3. Nachhaltigkeit als "zufällige Entdeckung" im laufenden Innovationsprozess


Nun kommen wir zu den Situationen, die eine größere Herausforderung darstellen. In diesem Fall verfolgt das Unternehmen einen mehr oder weniger systematischen Innovationsprozess, zunächst ohne soziale oder ökologische Ziele konkret in den Blick zu nehmen. Im Lauf der kreativen Entwicklung werden nachhaltige Potentiale entdeckt, die das Unternehmen für seine Zielgruppe nutzen möchte. Diese können sich mit den finanziellen Zielen decken, diese ergänzen oder im Konflikt zu den bisherigen Zielen stehen. Gerade im letzten Fall ist darauf zu achten, dass die nachhaltigen Potentiale nicht den finanziellen Projektvorgaben zum Opfer fallen, sondern dass eine ganzheitliche Lösung gefunden wird. Ziel ist es, den wirtschaftlichen Erfolg zu erreichen und dabei die neu identifizierten sozialen oder ökologischen Aspekte nicht zu vernachlässigen. Iterative Elemente helfen dabei, Nachhaltigkeit in den bereits bestehenden Innovationsprozess einzufügen.



Sie stehen vor einer solchen Herausforderung? Wenn Sie uns in einen laufenden Prozess als Berater hinzuziehen, können wir gemeinsam die nachhaltigen Potentiale heben und den wirtschaftlichen Erfolg sicherstellen. Parallel zum laufenden Projekt und in enger Abstimmung mit dem bestehenden Team beziehen wir die nachhaltigen Aspekte ein. Die Ziele werden um zusätzliche Ebenen erweitert, Bewertungsschemas angepasst, das Projektmanagement verstärkt. Wir gestalten den Prozess so, dass die bisherige Performance des Projektteams bestehen bleibt. Im Ergebnis können oft die beachsichtigen finanziellen Ziele erreicht und dennoch die entstandenen nachhaltigen Potentiale genutzt werden.



4. Nachhaltigkeit als Korrektiv von außen


Nicht immer sind es die Unternehmen selbst, die in einem laufenden Innovationsprozess Potentiale für mehr Nachhaltigkeit entdecken. Oft sind es wichtige Stakeholder (zum Beispiel Kunden, Umweltgruppen oder NGOs), welche neue Anforderungen an das Unternehmen stellen und den Druck für eine stärkere Beachtung von Nachhaltigkeitsaspekten erhöhen. Wichtig ist es dann, die Kritik von außen als Chance für das eigene Unternehmen zu betrachten: Kooperation statt Konfrontation. Mit der Integration des Stakeholders in den Prozess lässt sich nicht nur das Risiko eskalierender Konflikte reduzieren. Richtig umgesetzt bekommt das Unternehmen zusätzliche Ressourcen an die Hand und schafft so eine Win-Win-Situation für beide Seiten.


Wenn Sie vor dieser Situation stehen, unterstützen wir Sie als Berater in ähnlicher Weise wie im dritten Fall (Eingliederung der nachhaltigen Aspekte in den laufenden Prozess). Zusätzlich integrieren wir den oder die Stakeholder in den Prozess. Hier haben wir als externe Unternehmensberater den großen Vorteil, dass wir ggf. bestehende Vorbehalte zwischen Ihnen und dem Stakeholder abmildern können. Wir treten als Vermittler auf und können die Interessen beider Seiten im Innovationsprozess berücksichtigen. Berechtigte Kritik wandeln wir so in Chancen für Ihr neues Geschäftsmodell und zum klaren Nutzen für Ihr Unternehmen um.




5. Nachträgliche Zuschreibung von Nachhaltigkeit zur Innovation


Dieser Fall ist heikel. Im eigentlichen Innovationsprozess hat Nachhaltigkeit zunächst keine große Rolle gespielt. Bei der Markteinführung oder in der Kommunikation wird die Innovation durch das Unternehmen rückwirkend mit nachhaltigen Aspekten versehen. Das Vorgehen ist dann legitim, wenn die Innovation über nachweisbare und messbare Ergebnisse in einem oder mehreren Nachhaltigkeitsaspekten verfügt, auch wenn sie selbst nicht das Ziel der Innovation waren. Vorsicht ist immer dann geboten, wenn Wettbewerber oder andere Stakeholder den Vorwurf des „Greenwashings“ erheben könnten. Hier ist eine klare Entscheidung zu treffen, ob die kommunikativen Chancen die Risiken übertreffen.


Trifft der Fall 5 bei Ihnen zu, bitten wir um Ihr Verständnis, dass wir zunächst selbst prüfen, ob eine Zusammenarbeit unseren Beratungsprinzipien entspricht. Wir lehnen die Beteiligung an „Greenwashing“-Kampagnen strikt ab. Bei nachweisbaren nachhaltigen Innovationserfolgen können wir Sie am Ende eines Innovationsprozesses vor allem in zweierlei Hinsicht unterstützen: Einmal reichern wir Ihr Innovationsmarketing mit belegbaren Fakten an (z.B. durch Wirkungsanalysen und Monitoring). Zudem unterstützen wir sie gerne dabei, ihr Innovationsmanagement systematisch auf nachhaltige Innovationen umzurüsten, so dass zukünftig Nachhaltigkeitsaspekte von Beginn an berücksichtigt werden können.



6. Nachhaltigkeit als „unsichtbare Hand“ im Innovationsprozess


Der sechste und letzte hier beschriebene typische Weg zu nachhaltigen Innovationen ist zugleich einer der spannendsten. In diesem Fall sind keine konkreten Nachhaltigkeitsziele in der Innovationsstrategie vorgesehen. Auch keiner der Stakeholder formuliert offen Kritik an der Nachhaltigkeit der Innovation. Dennoch nimmt jemand oder etwas unbemerkt Einfluss auf den Prozess, so dass es im Ergebnis zu einer nachhaltigen Innovation führt. Beispielsweise führen bestimmte Werte und Einstellungen von Mitarbeitenden oder externen Partnern im Projekt zur Umsetzung nachhaltiger Elemente im Innovationsprozess. Wenn diese jedoch vom Unternehmen nicht bemerkt und aktiv gesteuert werden, kann dies zu ineffizienten Prozessen und zu finanziellen Probleme im Projekt führen. Womöglich treten Konflikte auf, obwohl grundsätzlich die gleichen Interessen vertreten werden.


Wenn Sie den Verdacht haben, dass diese Situation bei Ihnen im Unternehmen zutreffen könnte, helfen wir Ihnen gerne bei der Analyse. Als Berater haben wir den großen Vorteil, unvoreingenommen und mit einem neutralen Blick die jeweilige Situation zu betrachten. In Team-Workshops beteiligen wir alle Beteiligten an der Analyse und Bewertung. Anschließend integrieren wir gemeinsam die von Ihnen gewünschten Nachhaltigkeitsaspekte in den Innovationsprozess und vermitteln diesem dem gesamten Projektteam. Damit wandeln wir vermeintliche Störfaktoren im Innovationsprojekt in einen konkreten, nachhaltigen Nutzen für Ihr Unternehmen um, oft ohne dass Ihre finanziellen Ziele beeinträchtigt werden.



Zusammenfassung


Wir haben gesehen, dass es verschiedene Ausgangssituationen für die Umsetzung von nachhaltigen Innovationen in Unternehmen gibt. Zum Teil wird Nachhaltigkeit beabsichtigt, zum Teil wirkt sie unbemerkt. Für jede Situation haben wir eine strukturierte Vorgehensweise für eine effizientes Management Ihrer nachhaltigen Innovationen. In einem ersten Termin analysieren wir gemeinsam vor welcher Herausforderung Ihr Unternehmen aktuell steht.




Zu diesem Thema gibt es interessante Forschungsergebnisse. Unsere Literaturempfehlung:


Fichter, K, Paech, N, Pfriem, R (2005) Nachhaltige Zukunftsmärkte: Orientierungen für unternehmerische Innovationsprozesse im 21. Jahrhundert. Metropolis-Verlag, Marburg https://www.metropolis-verlag.de/Nachhaltige-Zukunftsmaerkte/511/book.do

Prof. Dr. Klaus Fichter: Klaus Fichterist apl. Professor für Innovationsmanagement und Nachhaltigkeit an der Carl von Ossietzky Universität Oldenburg und Direktor der Borderstep Institut für Innovation und Nachhaltigkeit gemeinnützige GmbH, Berlin.





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